Diskussion über Prototypen und Materialien
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Nachhaltig aktivieren: Wie spielerische Formate Umweltbewusstsein fördern

Nachhaltigkeit wird nicht allein durch Informationen wirksam. Menschen müssen verstehen, welche Folgen ihr Handeln hat, konkrete Optionen erkennen und die Möglichkeit erhalten, neue Entscheidungen auszuprobieren. Genau hier können spielerische Formate einen Zugang schaffen.

Gamification und Serious Games können Nachhaltigkeitsthemen verständlicher, greifbarer und emotional anschlussfähig machen. Sie verbinden Wissen mit Rückmeldung, Entscheidungssituationen und Perspektivwechseln. So entsteht nicht automatisch nachhaltiges Verhalten — aber ein Raum, in dem Menschen Zusammenhänge erkunden, Folgen abwägen und Veränderung als handhabbar erleben können.

Gamification und Serious Games: Was ist der Unterschied?

Gamification integriert Spielelemente in bestehende Angebote oder Prozesse. Dazu gehören beispielsweise Fortschrittsanzeigen, Punkte, Challenges, gemeinschaftliche Ziele oder unmittelbares Feedback.

Serious Games sind dagegen eigenständige Spiele, die gezielt für Lernen, Reflexion oder den Transfer von Fähigkeiten entwickelt werden. Sie schaffen simulierte Situationen, in denen Menschen Entscheidungen treffen und deren Konsequenzen erleben können.

Beide Ansätze können in Nachhaltigkeitskommunikation sinnvoll sein. Entscheidend ist nicht das Spielprinzip allein, sondern die Frage: Unterstützt es eine konkrete Handlung, eine relevante Entscheidung oder ein gemeinsames Ziel?

Was spielerische Formate leisten können

Spielerische Formate können Nachhaltigkeitsthemen auf unterschiedliche Weise unterstützen:

Zusammenhänge sichtbar machen

Feedback zeigt, wie einzelne Entscheidungen auf Ressourcen, Emissionen oder andere Menschen wirken können.

Handlungsoptionen konkretisieren

Kleine Aufgaben und alltagsnahe Szenarien machen abstrakte Ziele übersetzbar.

Perspektiven wechseln

Rollen und Geschichten helfen, Interessen, Zielkonflikte und Folgen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Austausch anregen

Gemeinsame Challenges oder Teamformate schaffen Gesprächsanlässe und kollektives Lernen.

Damit solche Formate nicht bei einer kurzfristigen Aktion bleiben, brauchen sie eine klare Verbindung zum Alltag: realistische Entscheidungen, nachvollziehbare Informationen und echte Möglichkeiten, Verhalten oder Prozesse zu verändern.

Was die Forschung zu Little Impacts zeigt

Im Forschungsprojekt „Serious Gaming – Potenziale für Wissensvermittlung und Bewusstseinswandel für mehr Nachhaltigkeit“ untersuchte das Umweltbundesamt gemeinsam mit dem Fraunhofer ISE und weiteren Partnern, wie digitale Spiele nachhaltiges Denken unterstützen können.

Dafür wurde das Serious Game Little Impacts entwickelt. Spieler:innen begleiten die Studentin Leah und ihre Familie durch Situationen des Alltags und unterstützen sie dabei, nachhaltigere Entscheidungen zu treffen. Das Spiel wurde im April 2024 veröffentlicht und auf seine Wirkung untersucht.

In einer Prä-Post-Erhebung mit 56 Teilnehmenden zeigten Personen, die Little Impacts gespielt hatten, ein bis zwei Wochen später höhere Werte in den untersuchten Kategorien des Umweltbewusstseins. Den stärksten Anstieg verzeichnete die Veränderungsbereitschaft. Für das berichtete Umweltverhalten ergab sich dagegen kein signifikanter Unterschied. Das Beispiel zeigt: Serious Games können Bewusstsein und Bereitschaft stärken — sie ersetzen aber keine Rahmenbedingungen, Infrastruktur oder konkrete Handlungsmöglichkeiten im Alltag.

Einsatz in Organisationen

In Unternehmen können spielerische Formate Nachhaltigkeitsthemen in Arbeitssituationen übersetzen. Statt abstrakt über Klimaziele, Ressourcenverbrauch oder Mobilität zu sprechen, können Teams typische Entscheidungen erkunden:

  • Wie lassen sich Arbeitswege, Reisen oder Meetings bewusster gestalten?
  • Welche Auswirkungen haben Beschaffung, Energieverbrauch oder digitale Prozesse?
  • Wo entstehen im eigenen Arbeitsalltag Zielkonflikte?
  • Welche kleinen Veränderungen sind im Team realistisch umsetzbar?

Geeignet sind beispielsweise kurze Entscheidungsszenarien, moderierte Team-Challenges, Workshops mit Rollenwechseln oder digitale Lernjourneys. Wichtig ist ein klarer Rahmen: Das Ziel muss verständlich sein, der Bezug zum Alltag erkennbar und die Teilnahme freiwillig beziehungsweise sinnvoll in die Arbeit integriert.

Nachhaltigkeit wird durch Handeln glaubwürdig

Spielerische Formate sind kein Ersatz für wirksame Nachhaltigkeitsstrategien. Sie können jedoch helfen, Strategien verständlich zu machen, Menschen einzubeziehen und aus abstrakten Zielen konkrete Gespräche und Handlungsoptionen entstehen zu lassen.

Der grösste Nutzen entsteht, wenn ein Format an eine reale Veränderung anschliesst: etwa neue Mobilitätsangebote, konkrete Einsparziele, überarbeitete Prozesse oder ein gemeinsames Teamvorhaben. Dann wird Nachhaltigkeit nicht nur kommuniziert, sondern im Alltag verhandelbar und gestaltbar.

Quellen

  • Gölz, S. et al. (2025): Serious Gaming – Potenziale für Wissensvermittlung und Bewusstseinswandel für mehr Nachhaltigkeit. Umweltbundesamt.
  • Umweltbundesamt (2025): Serious Gaming and Sustainability. Forschungsprojekt mit dem Serious Game „Little Impacts“.
  • Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE (2025): Können Computerspiele das Umweltbewusstsein verändern?
  • Chen, J. et al. (2024): Exploring the role and mechanisms of environmental serious games. [Fachartikel].